Bemerkenswert

Der Anfang

Warum dieser Blog

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Meine Herausforderung mit meinem Glauben haben mich zum Blogschreiben gebracht. Ich will nicht missionieren, sondern in erster Linie meine Gedanken sortieren.

Ich denke das geht am besten beim Schreiben.

Wenn also etwas davon für andere nützlich ist, freut es mich. Wenn es Leser gibt, die das alles für großen Müll halten, nun vielleicht hat es zumindest zum nachdenken angeregt.

Mit Sicherheit habe ich nicht den Stein der Weisen gefunden, da gibt es größere Lichter als das meine, also immer alles entspannt betrachten.

Ich habe vor hier in lockerer Reihenfolge Gedanken zu meinem Glauben zu posten.

Dazu finde ich es nur fair, erst einmal über meine Suche zu berichten.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens beschäftigt hoffentlich jeden einmal.

Den einen mehr, den anderen weniger.

Ich für meinen Teil habe immer das Gefühl gehabt, das es da noch etwas gibt. Wer dazu eine Ader hat, weiß was ich meine. Aber dazu später vielleicht noch mehr.

Getauft wurde ich lutherisch, konfirmiert auch. Nun ist es nicht so, dass wir zu Hause viel über religiöse Dinge gesprochen, täglich Tisch- oder Abendgebete gesprochen hätten, dennoch, spätestens seit dem Konferunterricht begann etwas in mir zu nagen.

Nach einem Kirchgang brach ich dann aber mit der Kirche. Es ging nicht in meinen jugendlichen Schädel rein, die Leute in der Kirche andachtsvoll zu sehen, nur um unmittelbar danach mitzubekommen das über Banknachbarn gelästert wurde.

Es ist wohl das Vorrecht der Jugend ein gewisses Schwarz-weiß Denken zu haben.

Es dauerte eine Weile, aber als ich durch Zufall ein Buch von Lama Govinda in die Hand bekam, begann ich mich mit dem Buddhismus auseinanderzusetzen.

Speziell in seiner tibetischen Prägung. Der Grundgedanke der vier edlen Wahrheiten sprach mich an.

  • Das Leben ist Leiden
  • Das Leiden hat eine Ursache
  • Es gibt einen Pfad zur Beendigung des Leidens
  • Die Beendigung des Leidens ist endgültig

Dazu werde ich bestimmt auch noch etwas schreiben.

Die Philosophie dahinter ist faszinierend.

Über Govinda kam ich dann zu einem Büchlein des Dalai Lama: „Einführung in den Buddhismus. Die Harvard- Vorlesungen“.

Ich kann dieses Büchlein nur wärmstens empfehlen. Ich denke eine bessere Erläuterung der Grundlagen der buddhistischen Philosophie wird man nicht finden.

 

Um es kurz zu machen: Ja den Lotussitz habe ich praktiziert und nein, zum Tantra bin ich nicht vorgedrungen. Auch wenn ich das tibetische Totenbuch gelesen habe, es gab immer eine Hemmschwelle, mich mit fremden Göttern zu beschäftigen. Ich fand das falsch, keine Ahnung warum, war ich doch nun eigentlich nicht so im Christentum verwurzelt. Dachte ich.

Irgendwann tritt man auf der Stelle. Klar wird in der Literatur immer wieder darauf hingewiesen, aber mit der Vorstellung sich einem Guru anzuvertrauen, nein damit konnte ich mich nicht anfreunden. Meditation hat mir geholfen, mich aber auch nicht wirklich weitergebracht. Zu fremd sind mir die Traditonen geblieben.

Ich weiß nicht mehr so richtig in welchem Buch ich es las, möglich das es in den Harvardvorträgem des Dalai Lama war. Der Dalai Lama wies darauf hin, das es wichtig sei, sich mit den eigenen religiösen Traditionen auseinanderzusetzen. In einem Bericht der Zeitung Zeit stand es so formuliert: „Der Mann, den viele in Deutschland lieben, weil er so anders ist, wäre also durchaus erfreut, wenn die Deutschen wieder Christen würden.“ (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-07/dalai-lama-geburtstag-80/seite-2).

Ich konnte das lange Zeit erfolgreich ignorieren. Eine Begegnung mit einem evangelisch-reformierten Pastor brachte mich dazu, die eigenen Wurzeln zu erforschen.

Es war nicht mal irgendetwas was der Gute sagte, wir sprachen über eine Trauerzeremonie, es war irgendwie das Gefühl dabei.

Nun fing ich also wieder an in der Bibel zu lesen. Schriften von Friedrich Weinreb halfen mir dabei, einige Dinge zu verstehen, die mir bis dato immer fremd geblieben sind.

Zu Friedrich Weinren werde ich sicher noch mal was posten.

Nur soviel: ich bin der Überzeugung, das wir das Neue Testament nicht werden verstehen können, ohne das Alte Testament zu kennen. Die jüdische Tradition kann dabei eine große Hilfe zum Verständnis der heiligen Schrift sein.

Eben dieses reformierte Verständnis, das alle Bücher der Bibel wichtig sind, hat mich Gott wieder nahe gebracht.

Soviel in Kürze erstmal dazu.

Das Leben ist für mich eine einzige Suche. Und soweit ich das verstanden habe, soll es das auch sein.

Kains „Sünde“

In meinem letzten Beitrag habe ich versucht darzustellen, warum die Bibel kein einfach zu lesendes Buch darstellt. Sie ist ein Buch voller Rätsel und scheinbarer Widersprüche. Anhand der ersten Worte in der ersten Schöpfungsgeschichte versuchte ich darzustellen, wieviele Interpretationsmöglichkeiten es gibt.

Natürlich hätten die Verfasser der Bibel die Kernaussagen auch ohne die ganzen Rätsel darstellen können. Meiner Meinung nach wäre dann aber auch viel von der Vielschichtigkeit verloren gegangen, und heute würde sich vermutlich kaum noch einer dafür interessieren. Die rätselhaften Formulierungen haben für mich den Sinn, das man über die nachdenkt, und die sich so nicht nur einprägt, sondern auch ihren Sinn versteht. In Josua 1 Vers 8 heißt es „Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. “ (nach der revidierten Lutherbibel 2017).

Was beim darüber nachdenken oft vielleicht schwer fällt, auch Kleinigkeiten wollen beachtet werden. Ja manchmal steckt gerade in den Details der Schlüssel zum Verständnis.

Lange war mir z.B. nicht klar, warum in Genesis 4, 3 bis 7 Gott Abels Tieropfer annahm, das von Kain aber verwarf.

Im Post „Im Anfang“ habe ich ja schon erzählt, das eine Übersetzungsmöglichkeit des „Reschit“ in Bereschit (Das erste Wort der hebräischen Bibel) „Das Erste“ heißt. Hier zeigt sich dann auch, das dieses Erste sehr wichtig ist.

Betrachten wir uns die Textstelle, in der vom Opfer Abel’s und Kain’s die Rede ist: „Nach geraumer Zeit aber brachte Kain dem HERRN von den Früchten des Ackers ein Opfer dar. Und auch Abel brachte ein Opfer dar von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett.“ (Genesis 4, 3-4 nach der Zürcher Übersetzung).
Auf den ersten Blick unverdächtig. Zur Erinnerung: Kain ist der Erstgeborene, Abel sein jüngerer Bruder. Oberflächlich betrachtet ist es also Kain, der der „wichtigere“ sein sollte. Eine Tradition, die es ja auch lange Zeit bei uns so gab, der Erstgeborene war der Haupterbe, der Stammhalter etc. Gott verlangt von den Israeliten ja auch, das Erstgeborene sollte durch das Opfer ausgelöst werden. (Exodus 13,2).
Ein Geheimnis zum Verständnis der Bibel ist es, das der Sinn einer Stelle sich manchmal erst später ergibt. Die Dinge müssen im Zusammenhang gebracht werden. Deutlich wird das, wenn man sich die jüdische Tradition der Bibelauslegung anschaut. Im Midrasch ist das gang und gäbe ein Wort oder einen Vers mit späteren Versen darzulegen oder auszulegen. Natürlich auch andere herum, aber das ist in unserer modernen Welt ja sowieso Usus. Ein Grund für mich, warum kein Teil der Bibel für sich alleine betrachtet werden kann, aber das mal nur so am Rande.

Zurück zu Kain. Ich kann mir gut vorstellen, das er sich um sein Erstgeburtsrecht etwas betrogen sah, da sein Opfer verworfen, und das seines jüngeren Bruders angenommen wurde. Das der Zweite, gegen alle Logik der damaligen Welt, zum Zuge kam, ist ein Motiv, was uns später bei Jakob und Esau auch noch auffällt. Esau war der Erstgeborene, erwählt und gesegnet wurde aber Jakob. Ach wenn er sich den Segen erschlichen hat, aber das ist eine andere Geschichte.

Nun Kain hat bei seinem Opfer, etwas fundamentales außer Acht gelassen: Er nahm von den Früchten seines Feldes. Man könnte sagen wahllos, böswillig könnte auch gesagt werden, etwas lieblos.
Abel hingegen nahm von den Erstlingen seiner Herde. Übertragen könnte auch gesagt werden, Abel macht sich Gedanken, er nahm vom Besten was er hatte und brachte es Gott näher.
So etwas wie Geburtsrecht, gibt es also nicht bei Gott. In Vers 7 versucht Gott Kain das auch zu erklären „Ist es nicht so: Wenn du gut handelst, kannst du frei aufblicken. Wenn du aber nicht gut handelst, lauert die Sünde an der Tür, und nach dir steht ihre Begier, du aber sollst Herr werden über sie sein“.

Die „Sünde‘ Kains ist es also nicht, das er das materiell schlechtere Opfer darbrachte, sondern das er den Sinn des Opfers nicht erfasst hatte. Streng genommen könnte auch gesagt werden, er hat sich die Regeln so ausgelegt, wie es ihm gerade am besten passte.

Die Bibel gibt uns dazu noch einen weiteren Hinweis. In Genesis 4, im zweiten Vers, wird von der Geburt Kain und Abels berichtet, und welchen Tätigkeiten sie nachgehen. „Abel wurde Schafhirt, und Kain wurde Ackerbauer“ so wird es in der Zürcher Bibel übersetzt. Im hebräischen Original steht עבד אדמה. Was mit Ackerbauer übersetzt wird. Wörtlich müsste hier „Bearbeiter des Ackerlands“ stehen. Die Buchstabenfolge אדמה ist dabei noch recht einfach zu übersetzen, das ist der Ackerboden. Für עבד wird die Sache schon schwieriger. Je nach Kontext kann die Buchstabenfolge Ajin-Beth-Daleth (von rechts nach links gelesen) sowohl als Arbeiten, Dienen oder Sklave übersetzt werden.
Im Grunde genommen könnte nun also auch Diener des Ackerbodens oder Sklave des Ackerbodens übersetzt werden. Dies wäre eine eher poetische Übersetzung. Bauer, oder Landwirt heißt im hebräischen übrigens הקלאי. Es könnte also durchaus seinen Sinn haben es hier mal mit der poetischen Variante eine Textannäherung zu versuchen. Die hat den Vorteil, das über die Haltung zur Tätigkeit etwas nachgedacht werden kann. Abel war Hirte. Er hütete die Schafe. Natürlich ist das auch eine gute und harte Arbeit. Als Laie mag man mir verzeihen wenn ich da etwas romantische Vortsellungen habe, aber jemand der hütet ist in meinem Kopf jemand der die Dinge animmt wie sie sind und zusieht das sie keinen Schaden nehmen. Ich glaube das dies die Richtung ist, die uns die Bibel zeigen will. Adam und Eva waren ursprünglich die Hüter des Garten Edens. Genesis 2 spricht an keiner einzigen Stelle davon, das Adam und Eva den Boden bearbeiten mussten. Der HERR brachte die Tiere zu Adam, das er sie benenne. Das war seine Aufgabe im Garten. Auf diese Aufgabe will hier jetzt gar nicht eingehen, das kommt vielleicht ein anderes mal. Hier geht es jetzt ja um Kain.
Der war also Diener des Ackerbodens. Das ist eine ganz andere Einstellung zu seiner Arbeit, als das Hüten. Betracheten wir die Bibel als ganzes, so wird immer wieder deutlich wie sehr GOTT den Götzendienst hasst. Jedem Sünder wird verziehen, aber der Götzendienst wird verachtet und verdammt.
Was heißt Götzendienst? Im Grunde genommen ist es das anbeten vergänglicher Dinge. Bei Jesaja 44 Verse 13-18 wird es wie folgt beschrieben: „Der Zimmermann hat die Richtschnur ausgespannt, unermüdlich hat er mit dem Griffel vorgezeichnet, es mit den Schnitzmessern ausgeführt und mit dem Zirkel vorgezeichnet, und wie das Bild eines Menschen hat er es schliesslich ausgeführt, wie ein Prachtstück von einem Menschen, damit es in einem Haus stehe.
Er ist gegangen, um sich Zedern zu fällen, und hat eine Steineiche genommen oder eine Eiche, und unter den Bäumen des Waldes hat er ihn kräftig werden lassen für sich. (…) und dann hat er einem Menschen als Brennholz gedient. Und dieser hat davon genommen und hat sich damit gewärmt. (…) Er macht einen Gott daraus! Und schliesslich hat er sich niedergeworfen, hat es zum Bild gemacht und sich vor ihm verbeugt. Die eine Hälfte davon hat er im Feuer verbrannt, auf dieser Hälfte isst er Fleisch, brät einen Braten, damit er satt wird. Auch wärmt er sich und sagt dann: Ah, mir ist warm geworden, ich habe das Feuer gesehen.
Und was davon übrig ist, hat er zu einem Gott gemacht, zu seinem Bild, vor ihm verbeugt er sich und wirft sich nieder, und zu ihm betet er und spricht: Rette mich, denn du bist mein Gott!
Sie haben nichts erkannt und begreifen nichts, denn ihre Augen sind so verklebt, dass sie nichts sehen, und ihr Herz ist so, dass sie keine Einsicht haben!“

Im Buddhismus wird als eine Grundursache des Leidens die „Anhaftung“ angesehen. Das der Mensch sein Herz im Leben an leblose Dinge hängt, anstatt sich zu befreien.
Genau das ist auch mit dem Götzendienst gemeint. Anstatt das Leben zu ehren, verehrt der Mensch tote Dinge. Der Kult der heute um so manches Smartphone, Auto, Geld, Karriere etc. getrieben wird, ist das was der Buddhismus als Anhaftung versteht und die jüdisch christliche Tradition als Götzendienst. Versteht man die Bezeichnung עבד אדמה in seiner Gesamtheit der Bedeutung ist Kain eben nicht nur ein einfacher Ackerbauer, sondern jemand der so in seiner Arbeit aufgeht, das er gleichsam Sklave und Diener seiner Arbeit ist. Er hat verlernt sich daran zu erinern das der Mensch nicht erschafft, sondern das erschaffende hütet. Es ist die innere Einstellung zum Leben, die Kain zum Verhängnis wird. Auch hier wieder ist der Hinweis von GOTT an Kain zu verstehen:
„Ist es nicht so: Wenn du gut handelst, kannst du frei aufblicken. Wenn du aber nicht gut handelst, lauert die Sünde an der Tür, und nach dir steht ihre Begier, du aber sollst Herr werden über sie sein“.
Gut handeln hieße im besten buddhistischen Sinne sich nicht der Illusion der Bedeutung des weltlichen hinzugeben. Alles weltliche ist vergänglich und nützt uns im geistigen nichts. Der Mensch der sich von Anhaftung frei macht, kann frei aufblicken. Wer das nicht tut der ist in Gefahr sich der Sünde hinzugeben. Also der Illusion das Geld, Macht, ein schönes Auto, das beste Smartphone oder sonst etwas ihn irgendwie weiterbringt oder gar glücklich macht. Der Mensch soll die Dinge nun nicht verdammen, das verbietet GOTT uns nicht, er mahnt uns aber die weltlichen Dinge im richtigen Zusammenhang zu sehen. Kain konnte oder wollte das nicht, und deswegen war er verdammt fern von GOTT im weltlichen sein Glück zu suchen. „Wenn du den Ackerboden bebaust, soll er dir fortan keinen Ertrag mehr geben. Rastlos und heimatlos sollst du auf Erden sein“ heißt es in Genesis 2 Vers 12. Das was Kain angebetet hat, wird ihm keinen Erfolg bringen. Rastlos und heimatlos wird er sein. Biblisch gesehen ist das aber eben keine Strafe, sondern das Resultat von Kains handeln.
Schaut man sich die Eskapaden von so manchen Star oder Sternchen an, versteht man glaube ich zu gut was rastlos und heimatlos bedeutet. Dann wenn dem Menschen bewußt wird, das sein Trachten und Streben ihm keine Zufriedenheit oder dauerhaftes Glück bringt, dann ist er oder sie wie Kain.

Die Bibel ist halt kein Geschichtsbuch, sondern ein Buch voller Geschichten. Der Sinn liegt nicht in einer exakten Darstellung des Geschehenen, sondern in der Darstellung wie der Mensch geschaffen ist, und was der Sinn des Daseins ist. Gerade die ersten Bücher drehen sich hier immer wieder um das gleiche Thema. Im Grunde genommen ist die Kain Geschichte die Fortsetzung der Geschichte von Adam und Eva.
Es geht weniger um Ungehorsamkeit, sondern darum das der Mensch nicht verstanden hat, worum es eigentlich geht.

Ich habe mich dem Thema über die jüdische Auslegung genähert. Im Internet las ich einen Artikel, der im Wesentlichen zu dem gleichen Ergebnis kam, aber sich über die „Gute Nachricht“ Bibel genähert hat. Dort steht über das Opfer: „er nahm dafür die Besten von den erstgeborenen Lämmern seiner Herde“ .

Anhand der verschiedenen Übersetzungen wird deutlich, wie schwierig es ist, die Bibel zu verstehen, wenn nur mit Übersetzungen gearbeitet wird. Während Luther und die Zürcher den Vers mit „Erstlingen und vom Fett“ übersetzen, kommt die Gute Nachricht dem Sinn näher. Dem Geheimnis kommen wir auch hier auf die Spur, wenn andere Bibelstellen zu Rate gezogen werden, z.B. Den Hebräerbrief Kapitel 11 Vers 4: „Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar“.

Die Lösung liegt im hebräischen Original. Das „Und“ wird durch den sechsten Buchstaben des hebräischen Alphabets ausgedrückt, das Waw. Das hat aber, wie viele hebräische Wörter, mehrere Bedeutungen. Es wird auch mit „und zwar“ übersetzt. So kann der Versteil also übersetzt werden: „von den Erstlingen und zwar vom Fett“. Was für das Waw gilt, gilt auch für „Fett“. In der literarischen Sprache der Israeliten, steht das Fett für das Beste. Abel nahm von den Erstlingen (dem nach Maßstäben des irdischen den Besten) die besten Stücke, um die Gott nahe zu bringen. So kamen die Übersetzer der Guten Nachricht dann auf ihre Übersetzung.

Zusammen mit dem Grundverständnis was das Opfer im alten Judentum bedeutete, brachte Abel das Beste vom Besten der irdischen Erscheinung Gott nahe. Kain tat dies nicht. Wer es im Detail nachlesen will, dem empfehle ich diese Seite: Bibelbund.de.

Nun nicht jeder, und das gilt auch für mich, verfügt über fundierte Hebräischkenntnisse, um selber in solchen Tiefen nach dem Sinn einzelner Bibelverse forschen zu können. Oft ist das auch nicht nötig. Es gibt zahlreiche Übersetzungen, die einem den Umgang mit schwierigen Passagen erleichtern. Nicht jeder möchte sich zig Ausgaben kaufen, aber es gibt ja die Möglichkeiten in der Bibel auch Online zu lesen. Vieles wird bei Vergleichen der Übersetzungen deutlicher. Wenn dann noch im Hinterkopf behalten wird, das die Geschichten der Bibel grundsätzlich Gleichnisse sind, die einen tieferen Sinn haben, besteht auch weniger die Gefahr von Missverständnissen.

Vor diesem Hintergrund kann ich gut verstehen, warum immer mehr Menschen einen Zweifel entwickeln. Es ist für Religionslehrer und Pfarrer im Konfirmationsunterricht fast unmöglich ihren Schülern auch nur mehr als die Oberfläche zu zeigen. Das führt, wie in unserer Kainsgeschichte dann wohl dazu, das wir uns nicht abgeholt fühlen und uns dann abwenden. Kain ist eigentlich zu bedauern, er unterliegt Missverständnissen, fühlt sich betrogen und wendet sich ab. Selbst Erklärungsversuche von Gott selber, bringen ihn nicht zur Umkehr. Und so kommt was kommen muss. Er tötet Abel. Auch das ist wieder ein Gleichnis. Mit dem zweiten Schöpfungsbericht im Hintergrund steht Kain für das Körperliche, die irdische Entsprechung des Menschen, Abel steht für das Himmlische, die Seele wenn man so will. Deutlich wird das auch, wenn man sich anschaut was diese Namen bedeuten. Abel wird in der hebräischen Thora Hebel (geschrieben in den hebräischen Buchtaben He-Beth-Lamed) geschrieben. Übersetzt heißt das Hauch oder Wind. Kain (hebräisch mit den Buchstaben Koph-Jod-Nun) bedeutet Der Erschaffene/Der Erworbene.

Der Mensch tötet also in sich das Himmlische ab und wendet sich nun vollends deinen irdischen Verstrickungen zu. Wie dann auch im weiteren Verlauf der Geschichte zu sehen ist. Kain heiratet und gründet eine Stadt, die er nach seinem Sohn nennt.

Der Sinn solcher Geschichten war früher der gleiche, warum Märchen erzählt wurden. Sie waren gut einprägsam und mit entsprechender Auslegung verstanden die Menschen auch ihren Sinn. Eine Fähigkeit, die verloren geht, wenn Geschichten nur noch nach der Art von technischen Beschreibungen verstanden werden, wir den Sinn von Symbolen und Zeichen verlernen.

Ich denke das gilt nicht nur für die Bibel, da sie aber zu unseren Kulturgut gehört, und das in Deutschland seit etwa 1000 Jahren (teils sogar noch länger), kann ich mir auch nur über die ein Urteil erlauben. Manchesmal kann ich nur den Kopf schütteln über Zeitgenossen die glauben oder gar unterstellen, in Äußerungen wie „Auge um Auge“ einen göttlichen Auftrag zu erkennen. Wer die Bibel wörtlich nimmt, anstatt sie beim Worte zu nehmen, ist auf Kains Weg.
Das gilt für Bibeltreue, wie für Bibelkritiker.

Im Anfang

Die Bibel ist ein Buch voller Rätsel und teilweise, so scheint es, auch voller Widersprüchlichkeiten.

Schon die ersten Zeilen machen deutlich, das dieses Buch viel mehr ist, als eine bloße Geschichtensammlung.

Widersprüchlichkeiten und unlösbare Rätsel, scheinbare Ungerechtigkeiten waren, die mich aus der Kirche getrieben haben, und sie waren es, die mich Jahre später wieder zum Mitglied einer Gemeinde haben werden lassen.
Mancher Mensch muß halt Umwege gehen, und einen Blick aus einer anderen Perspektive riskieren, um zum verstehen zu kommen .

Letztendlich muss man sich an Rätseln abarbeiten.

Darin liegt für mich aber auch der Sinn der Sprache der Bibel, der Rätsel und Widersprüchlichkeiten.
Bei meiner Beschäftigung mit dem tibetischen Buddhismus habe ich gelernt, das für die alten Völker Sprache mehr war, als eine bloße Aneinanderreihung von Buchstaben und Wörtern. Zahlen sind mehr gewesen, als bloße Operanden für Rechenoperationen. Ich habe das Gefühl, das Profanem, die Versachlichung, hat uns viel von der Tiefe des Glaubens genommen.
Eine Beobachtung, die man so vermutlich bei vielen Weltanschauungen sehen kann.
Kopfschütteln liest man Formulierungen wie „sieben mal siebzig mal“ müssten wir unserem Bruder vergeben (Matthäus 18,22), oder „666“ als die Zeichen des Tieres (Offenbarung 13,18), von einigen als Zahl des Teufels bekannt. Oder es wird über solche Stellen einfach hinweggelesen.
Es gibt zahlreiche Beispiele beim Umgang mit Formulierungen und Zahlen, auch aus anderen Kulturen. Warum sind es drei Nornen in den nordischen Göttersagas, warum ist  108 für Tibeter so wichtig, oder die 8 allgemein im asiatischen Raum?

Für Christen stellte sich die Herausforderung offensichtlich auch. Wenn ich mir alleine überlege, wieviele deutsche Übersetzungen der Heiligen Schrift verfügbar sind.
Es war ja nicht nur Luther, der sich abmühte. Zu den bekanntesten Übersetzungen neben Luther gehören wohl die „Gute Nachricht“, „Zürcher“, „Genfer“, „Bibel in gerechter Sprache“, „Einheitsübersetzung“, „Schlachter“, „Elberfelder“.
Und dann gibt es von den ganzen Übersetzungen auch noch zahlreiche Versionen. Bearbeitungen und Neuübersetzungen etc. etc. etc.. Sehr verwirrend.

Warum das so ist, möchte ich mal versuchen am ersten Wort der Bibel, oder Thora darzustellen. Wie immer gilt: Das ist nur meine Meinung, sie ist nicht einzig richtig, aber sie ist es, die mir das Lesen und Verstehen der Bibel plausibel erscheinen läßt.

Das erste Wort, oder sollte man sagen Wörter, ist „Im Anfang“. Warum Wort/Wörter? Nun in der Thora, dem hebräischen Ursprung der Bücher, die wir als die Bücher Mose in der Bibel kennen (Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronium) ist das ein Wort:  בראשית . Zu lesen von recht nach links: Beth Resch Aleph Schin Jod Taw, zusammen gelesen „Bereschit“. Der Einfachheithalber schreibe ich in lateinischer Umschrift weiter.
Ohne hier jetzt auf die Besonderheiten der Aussprache einzugehen, ich sage dieses gleich zu Anfang: Ich spreche kein Hebräisch und meine Kenntnisse im Bibelhebräisch sind eher rudimentär. Ich versuche das gerade zu ändern, aber einfach ist das nicht.
Soviel sei aber gesagt, der Buchstabe Beth ist hier ein sogenannter Präfix, der dem eigentlichem Wort (Reschit)  vorangestellt wird.
Es gibt im Hebräischen einige Präfixe, die alle eine eine – oder mehrere- Bedeutungen haben. Beth wird in diesem Zusammenhang of mit „Im“ übersetzt.
Bei einigen, die diese Zeilen jetzt lesen mag jetzt ein Erstaunen einsetzen, wenn sie in ihrer Bibel nachschauen und dort lesen „Am Anfang“.
Die Schwierigkeit des Umgangs mit der Bibel ist, das man sich oft erstmal wieder darüber im Klaren werden muss, das wir es mit einer anderen Art des Denkens zu tun haben, als wir es heute gewohnt sind. Einige Übersetzer haben sich an der Formulierung „Im Anfang“ schlicht gestört, andere wollten es für den heutigen Bibelleser vermeintlich verständlich übersetzen. Oder aber es liegt dem Ganzen eine andere Interpretation des geschriebenen zu Grunde.
Meiner Meinung nach ist das ist genau die Falle, in die getappt wird, wenn Versuche unternommen werden die Bibel aus ihren Kontext herauszulösen. Aber, es gibt da unterschiedlichste Ansichten zu.
So wie ich es sehe kann man sich zumindest darauf einigen, das alle Übersetzungen irgendwo Stärken und Schwächen haben, das jede Übersetzung, und das gilt nicht nur für die Bibel, die Schwierigkeit haben ungenau zu sein, die Schönheit der Sprache zu verzerren oder schlimmstenfalls den Sinn zu verstellen.
Zieht man ein Hebräisch-Deutsch Wörterbuch zu Rate wird das Ganze noch unübersichtlicher. Beth kann demnach mit  „in“, „im“, „an“, „durch“ oder „mittels“ übersetzt werden. (Quelle: Langenscheidt Taschenwörterbuch Hebräisch, Auflage 11)

Als absoluter Hebräischlaie kann ich mir sehr gut vorstellen, wie Junker Jörg sich mehr als einmal die Haare gerauft haben mag. Anderen wird es dabei nicht besser ergangen sein. Und hier rede ich gerade erst vom ersten Buchstaben der hebräischen Bibel!

Zur „Hauptsache“: Wer sich eingehender mit der Chassidischen (https://de.wikipedia.org/wiki/Chassidismus) Sicht auseinandersetzen will, den empfehle ich das Buch „Schöpfung im Wort“ von Friedrich Weinreb.
Friedrich Weinreb ist nicht unumstritten, ich für meinen Teil fand etliche Darstellungen als sehr erhellend an. Einige Bibelstellen, die mir bis dato ein Rätsel waren, ergaben dank dieses Werkes für mich einen Sinn. Auch hier wieder die Einschränkung: Das ist meine Meinung als theologischer Laie! Noch wertvoller war für mich diese Einsicht, als ich mich an der Interpretation „Römerbrief“ von Karl Barth abgemüht habe. Ich fand es sehr erfrischend wie sich etliche Ansichten von Karl Barth und Friedrich Weinreb  decken. Ich will nicht abschweifen, vielleicht finde ich irgendwann mal Lust und Zeit das näher darzustellen, für Bereschit ist das aber sowieso nicht von Bedeutung.

Nach Friedrich Weinreb (nicht nur nach ihm) bedeuten die Buchstaben des hebräischen Alphabet Zahlen. Wörter geben auch Verhältnisse an. Die ersten Buchstaben der Thora können, Weinreb zur Folge, auch als Bara (Beth-Resch-Aleph) gelesen werden, was „erschaffen“ heißt und eine gewisse Struktur wiedergibt. Beth entspricht dabei der 2, Resch=200 und Aleph=1. Kurz gesagt ist die 2 dabei eine Repräsentation des „erschaffen“, weil ein Erschaffen in unserer Welt immer die „Zweiheit“ beinhaltet. Licht-Dunkelheit, Wasser-Erde, Vögel-Fische. Es gibt zahlreiche Stellen im ersten Schöpfungsbericht, wo diese Dualität erklärt wird. Und genau auf diesen Umstand möchte die Bibel uns mit den ersten Wort hinweisen: Das die Welt einer gewissen Struktur folgt. Es ist ein Fortgehen, das die Möglichkeit der Rückkehr einschließt. Aleph als 1, repetiert diese Rückkehr zum Ursprung, wo alles eins war. Darum Bara als erstes Wort: 2-200-1. Die 200 ist dabei dann eine Repräsentation der 2 auf einer anderen Ebene.
Soviel kurz dazu, aber ich denke es wird schon deutlich was ich ausdrücken will: Es gibt mehrere Möglichkeiten an eine Übersetzung heranzugehen, die Worte alleine zu übersetzen erweist sich oft als unzureichend.
Weinrebe übersetzt an anderer Stelle das Bereschit mit „In der Hauptsache“. Auch hier sehen wir das Problem mit dem Hebräischen: Es gibt oft mehr als eine Bedeutung. Und was gerade als richtig angesehen wird, hängt oft genug auch von der Betrachtungsweise und dem Kontext ab.
Zurück zum Hebräischen: Reschit heißt „Das Erste“.
Das Erste ist etwas was sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht. Das Erste ist es was Gott heilig ist, und im alten Judentum durch das Opfer ausgelöst werden muss (Exodus 13,12).
Wörtlich übersetzt steht da also Im/Durch/Mittels des Ersten erschuf etc. Daraus haben die Übersetzer dann gelesen: In der Hauptsache, oder Im Anfang oder eben am Anfang im Sinne von Als Erstes.

Eine weitere Interpretation möchte ich nicht vorenthalten. Natürlich bin ich nicht der Erste, der einen Ausflug in die jüdische Gedankenwelt wagt. Aus christlicher Sicht sei darum noch folgende Möglichkeit dargestellt:
Wenn im Johannesevangelium nachgeschlagen wird, finden wir gleich am Anfang folgende Formulierung „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“. Ein eindeutiger Bezug auf Jesus, zumindest nach gängiger Auffassung, heisst es doch weiter bei Johannes: „das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“.
Auch hier wieder „Im Anfang“,  wie in Genesis 1,1.
Im ersten Korintherbrief in Kapitel 15 Vers 20 wird Christus als „der Erste“ bezeichnet, der auferstanden ist, und tatsächlich ist das ja, was Christen auf der ganzen Welt als Glaubensgrundsatz vertreten, das es eine Auferstehung gibt, und Jesus der Erste gewesen ist, der tatsächlich auch auferstanden ist.

Aus dieser Sich ist Christus das Erste. Nun wird es etwas knifflig und man muss einige Brücken bauen. Aber wenn ich mir überlege, das es in den Naturwissenschaften völlig normal ist gewisse Postulate zu formulieren, um eine Theorie plausibel zu machen (ich denke da gerade an die „Einführung“ der 10 Dimensionen unserer Welt um die Stringtheorie mathematisch plausibel zu machen), dann sei es den Theologen verziehen, wenn sie sich ähnlicher Mittel bedienen.
Eine dieser Brücken ist die Trinitätslehre, nach der Gott einer ist. Vater Sohn und heiliger Geist als eine Einheit. Es geht hier um die Wesensgleichheit (https://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeit), demnach wäre Christus auch schon immer da gewesen.

Christen könnten das Bereschit nun also so übersetzen : Durch Christus.
Im ersten Satz der Bibel: Bereschit bara et Elohim haschemajim  waherez. Durch Christus schuf Gott die Himmel und die Erde.

Nochmal mein Hinweis: Das ist eine Möglichkeit sich dem Text zu nähern. Keinesfalls ist es die Einzige Möglichkeit. Dessen muss man sich beim Umgang mit der Bibel stets bewusst sein. Wer da behauptet im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein, begeht meiner Erachtens einen schweren Fehler.
Der Sinn dieser Darstellung sollte daher auch sein, die Schwierigkeit beim Umgang mit Übersetzungen oder Interpretationen darzustellen. Ich denke, wenn es den Menschen die Bibel näher bringt, ist das ok, man sollte sich aber hüten daraus einen Deutungshoheitsanspruct abzuleiten.
Die als letztes dargestellte Möglichkeit birgt die Gefahr, das Christen sich bestätigt sehen, das die Juden unrecht haben. Das ist aber niemals die Intention der Apostel gewesen, haben sie doch oft genug betont, das die Juden das auserwählte Volk Gottes sind und bleiben (Römer 11,2), und die Christen ihnen nur zugesellt sind (Johannes 10,16).

Bibelstellen zum online nachlesen (zum Beispiel):
https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/zuercher-bibel/bibeltext/

Buchvorstellung „Sünde“ von Thorsten Dietz

Ich hatte im letzten Post versprochen, sobald ich das Buch durchgelesen habe, werde ich meine Eindrücke posten.
Ich möchte das nicht Buchbesprechung nennen, ich bin kein Literaturkritiker.

Spaß beiseite und das wichtigste zuerst: Ich war angenehm überrascht, und halte das Buch für absolut lesenswert.
Von der Anfangsthese, die Gottferne der heutigen Zeit stehe im Zusammenhang damit, das sich die Menschen mit dem Begriff Sünde nicht identifizieren könnten, überzeugt mich auch jetzt noch nicht. Warum, das habe ich ja bereits im letzten Post versucht darzulegen. Ich muss aber eingestehen, das zumindest die Vorstellung was Sünde ist, oder der Kirche vorgehalten wird zu verbreiten (ob das dann auch wirklich so ist, wage ich zumindest für unsere Gemeinde zu bezweifeln), das Ihrige dazu beitragen mag, das der Zweifel an Gott und seinem Bodenpersonal, genährt wird. Für einige kann das dann natürlich über die Zeit soweit wachsen, das sie mit der Glaubenswelt, oder zumindest der christlichen Glaubenswelt der Kirchen, brechen.

Thorsten Dietz selber läßt in seinem Buch öfter durchblicken, das ihm dieser Zweifel nicht fremd war. Er bezeichnet sich selber, zumindest für seine Jugend, als „Linker“. Manchmal sind die Wege, die wir gehen -und das nicht nur in Glaubensfragen- seltsam. Thorsten Dietz fand über die Einsicht, im Grunde  n i c h t s  über das Christentum zu wissen, dazu sich näher mit den Grundlagen des christlichen Glaubens auseinanderzusetzen. Der Blick von Außen auf den Glauben bezeichnet er so als „Entdeckungsreise“. Etwas was ich aus meinen eigenen Glaubensvorstellungen nur bestätigen kann. Manchmal ist das so, das gerade die Ferne oder das Trennen einem ermöglicht einen neuen und dann auch erhellenden Blick auf so manches Thema zu werfen.

Zurück zum Inhalt des Buches.
Das was die meisten Menschen wohl irgendwie Zusammenhang mit dem Sündenbegriff bringen können, sind die sogenannten sieben Todsünden.

  1. Superbia Hochmut (Stolz, Eitelkeit, Übermut)
  2. Avaritia Geiz (Habgier)
  3. Luxuria Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren)
  4. Ira Jähzorn (Wut, Rachsucht)
  5. Gula Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)
  6.  Invidia Neid (Eifersucht, Missgunst)
  7. Acedia Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Trägheit des Herzens)

(Quelle: Wikipedia)

Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss stellt ihnen Thorsten Dietz in seiner modernen Ableitung die Sünden:

  1. Blind
  2. Hart
  3. Süchtig
  4. Selbstlos
  5. Reich
  6. Sicher
  7. Träge

gegenüber. Nun in der Auflistung von Wikipedia nicht 1:1, aber im Grunde, glaube ich, verständlich.

Das besondere an Thorsten Dietz Werk ist, der Stil wie diese Neuinterpretation nährgebracht wird. Für jede Sündenart gibt es eine kurze Einführung seiner Sicht auf die Sünde, unterlegt mit Bibelstellen, die seine Ansicht unterstützen. Dann gibt es zu der Sünde ein modernes Beispiel, anhand bekannter Kinofilme, die gerade diese Sünde, bzw. auch den Umgang mit ihnen, hervorheben. Am Schluss eines jeden Kapitels gibt es zudem einen Denkimpuls.

Für mich war das Lesen des Buches ein Genuss. Nicht weil ich da gesessen hätte und „Ja, Ja, gib’s ihnen“ gedacht hätte, sondern weil ich oft erwischt gefühlt habe. Der lockere Schreibstil tat mit Sicherheit sein übriges.

Die Brillianz des Authors  liegt in meinen Augen darin, ohne erhobenen Zeigefinger den Sinn hinter den Begriff Sünde zu bringen. Ich denke auch für Menschen, die mit Kirche und Gott nichts anzufangen wissen, gibt es hier viel zu entdecken. Letztendlich geht es immer um den Umgang von uns Menschen mit Gott, aber dadurch auch immer um die Frage, wie gehen wir eigentlich untereinander um.
Zu dieser Frage kann man auch aus humanistischen Motiven kommen, und letztendlich wird man dann vermutlich ähnliche Problemstellungen finden.

Also: absolute Leseempfehlung.
Für Christen, die Zweifel haben, ob die teilweise antiquierte Welt der Kirchen und des Glaubens noch in unsere Zeit passen, genauso wie für
Nichtchristen, die an Fragen der Gesellschaftskritik interessiert sind.

Erstere werden vielleicht feststellen, das die Kirche auch heute noch Antworten für die existenziellen Fragen des Lebens geben kann. Und das gestützt auf ein Buch, dessen jüngsten Teile etwa 2000 Jahre alt sind. Die Bibel ist Gottes Wort, aber sie handelt vom Menschen. Eine Einsicht, die ich mit dem Author teile.

Letztere werden vielleicht feststellen, das Humanismus und Glauben keine Gegensätze sind. Eine vernünftige Auseinandersetzung mit zentralen Glaubensinhalten kann auch für solche Menschen von Nutzen sein, die Gott fern stehen und so gar nichts mit dem Vorstellungen mancher Mitmenschen anfangen können.

Der letzte Teil des Buches dürfte für christlich geprägte Menschen sicherlich spannender sein, dennoch bin ich davon überzeugt, das so mancher Agnostiker oder vielleicht sogar Atheist von der Lektüre des Buches profitieren kann. Der Mensch tickt wie er tickt, weil er ist wie er ist. Ob nun geschaffen, oder entwickelt, spielt dabei in erster Betrachtung keine große Rolle.

Sünde als Grundlage christlichen Glaubens? Teil2

Beim letzten Post, habe ich meine Meinung über die Eingangsthese breitgetreten, das der Grund warum der Glaube den Menschen fremd geworden ist, sei eine fehlende Identifikation mit dem Sündenbegriff.

Nun habe ich leider nicht immer die Zeit, die ich gerne aufbringen würde, also geht das lesen dann auch entsprechend langsam von statten. Heute möchte ich meine Vorstellung und meine Gedanken, über das Eingangskapitel von Thorsten Dietz Buch „Sünde“ , abschließen.
Was aus dem Hintergrund so ein wenig durchdringt, ist die Motivation, aus der Thorsten Dietz seinen Weg zur Annäherung an das Christentum sucht. Interessant für mich festzustellen ist dabei, das es meiner Grundmotivation nicht unähnlich ist.
Die Motivation sich mit den Grundlagen des christlichen Glaubens auseinanderzusetzen entsprang, der Feststellung über das Christentum als solches eigentlich überhaupt nichts zu wissen.
Dabei hatten wir beide wohl den enormen Vorteil einen Blick von Außen auf eine Religion zu werfen, die uns eigentlich total fremd geworden ist.

Thorsten Dietz bezeichne sich in der Einführung als Mensch, der die christliche Religion nicht teilt, stellt aber fest das er aber eigentlich, trotz Taufe und Konfirmation, nichts über den Glauben wusste. Ob er darüber hinaus zum Glauben gefunden hat, kann und will ich so noch nicht feststellen. Ich warte mal ob es für das Buch als solches von Relevanz ist, oder ob er vielleicht selber etwas darüber verrät.

Er begab sich jedenfalls, so schreibt er, auf eine Entdeckungsreise. Der Vergleich, den Durchschnittschristen als Pauschalreisenden darzustellen, finde ich sehr passend, ohne das abwerten zu wollen. Ähnlich wie ein Pauschaltourist nicht den Anspruch hat, Länder die er bereist, in der Tiefe kennenzulernen, gehen viele auch mit dem christlichen Glauben um. Das was wir in Schule, im Konfirmationsunterricht oder per Fernsehen kennenlernen reicht vielen aus. Es gibt einfach nicht die Erwartungshaltung in die Tiefe abzutauschen. Ich will das hier gar nicht verurteilen, ich denke das ist vermutlich  einfach einer der Schwachpunkte beim Menschen im Allgemein. Das, was wir wie selbstverständlich um uns haben, wird selten hinterfragt. Warum auch, vermeintlich kennt man ja auch alles was nötig ist.

Sich selber bezeichnet Thorsten Dietz als Entdeckungsreisender. Der Entdeckungsreisende weiß nicht was ihn erwartet, er lässt sich einfach darauf ein. So ähnlich geht er dann auch mit dem Glauben um. Sich nicht mit Klischees zufrieden zu geben, sondern „sich von dem Fremden überraschen lassen“. Ein erfrischender Ansatz. Umso erfrischender als ich das für mich so 100% unterschreiben kann.
Überhaupt findet er im Eingangskapitel gute Vergleichsbilder. Bei der Religionskritik z.B. stellt er fest, das die reine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Kirche, einem Menschen gleicht der sich aus einer Straßengang Kinder oder Verletzte raussucht, um sie zu verprügeln, um sich so seiner Stärke zu versichern.

Hier setze ich heute mal mit meinen Gedanken an.
Der Glaube ist einer steten Wandlung unterzogen. Das war er schon immer. Wer also sich nur an der Vergangenheit abarbeitet, muss sich schon fragen lassen, ob er sich nicht selber als fundamentalistisch bezeichnen lassen muss, da er die Auseinandersetzung mit der stärksten Ausprägung scheut, sondern lediglich das sucht was er zu finden erwartet. Eine wirkliche Auseinandersetzung ist das nicht, sondern lediglich eine Selbstbestätigung. Sie mag Einigen reichen, ähnlich wie es Anderen reicht das vom Glauben zu wissen, was oberflächlich in Schule, Kirche oder Medien verbreitet wird.

Vor einiger Zeit habe ich das Buch „Toleranz und Gewalt“ des Kirchenhistorikers Arnold Angenendt gelesen. Von einem Kirchenhistoriker kann man nun vermutlich nicht erwarten, das er eine neutrale Position einimmt.
Dennoch empfehle ich dieses Buch einem jeden, der sich mit dem Thema religiöser Gewalt (in ihrer Zeit) beschäftigen möchte.

Vieles von dem, was Thorsten Dietz hier als Theorie anreißt, ist dort ausführlicher besprochen. Arnold Angenendt stellt einige, nachprüfbare, Fakten vor, die mir zumindest aus dem Geschichtsunterricht so nicht bekannt waren.
Das z.B. Galileo Galilei in seinem Prozess nicht verurteilt wurde, weil der die These vertrat das die Erde sich um die Sonne dreht, sondern schlicht weil er es nicht beweisen konnte und so nicht als Theorie darstellte, sondern als Fakt. Das auf Kopernikus zurückgehende heliozentrische System zu lehren war nicht verboten. Es durfte gelehrt und dikutiert, jedoch nicht verteidigt werden. Also es durfte niemand behaupten das Kopernikus Recht und Ptolomäus Unrecht hat, schlicht weil der Beweis dazu einfach fehlte. Den lieferte später Johannes Kepler.
Galileo selber wurde nach mehrfacher Ermahnung und zwei Prozessen verboten zu behaupten, was er nicht beweisen konnte. Selbst nach heutiger Methodik machte Galileo also entscheidende Fehler, auch wenn er dafür heutzutage wohl kaum unter Hausarrest gestellt würde.
Johannes Kepler liefert später den Beweis und rehabilitierte somit Galileo Behauptung, das Kopernikus Recht und Ptolomäus Unrecht hatte. Nichts destotrotz ist es, aus seiner Zeit heraus betrachtet, schon ein grober Faux Pax, den er sich da leistete.

Aus diesem Blickwinkel heraus ist Galileo also weniger das Opfer eines Justizirrtums, sondern das Opfer seiner Zeit bzw. seiner mathematischen Kenntnisse . Der Umgang mit ihm ist auch kaum als drakonisch zu bezeichnen. Zum einen wurde er mehrfach ermahnt, bevor es zu Prozessen kam, zum anderen kann man seine „Haftbedingungen“ kaum mit jenen armen Tropfen vergleichen, die wegen weit geringfügiger Vergehen auf dem Schafott landeten oder in den Verließen ihr Dasein fristeten.

Was ich mit diesem kurzen Ausflug in die Geschichte sagen möchte ist nicht, das Galileo doof wäre, sondern, das man mit der Verurteilung mit der Vergangenheit vorsichtig sein muss. Man kann das Handeln der Personen und Institutionen immer nur aus ihrer Zeit heraus betrachten.
Aus dieser Sicht heraus das Handeln der Kirche heute zu verurteilen und abzulesen, die Kirche hätte ein unwissenschaftliches Modell vertreten, ist ziemlich anachronistisch, und aus Sicht der Handelnden Personen und Institutionen, unfair.

Ein Historiker tut dies nicht, Ottonormalverbraucher macht es sich da oft zu einfach.

Wir haben uns angewöhnt Religion als monolithischen Block anzusehen. Kein Theologe vertritt heute ernsthaft unreflektiert Thesen, die vor 1000 Jahren oder mehr, Gültigkeit hatten. Das gilt nicht für den jüdischen Glauben, der von Ägypten über Jerusalem, Babylon und der Diaspora nach 70nChr. einem steten Wandel unterworfen war (und es bis heute ist), und das gilt auch für die meisten christliche Strömungen. Gut schwarze Schafe gibt es überall, aber ich möchte da einfach mal an das Bild der Straßengang anknüpfen. Die Verurteilung des christlichen Glaubens auf Grundlage von solchen geschichtlichen Prozessen, gleicht dem Verprügeln der Schwachen einer Straßengang, um sich selber seiner eigenen Stärke zu vergewissern.
Natürlich gibt es Glaubensgrundsätze, die damals wie heute Gültigkeit hatten, ihre Interpretation geschieht aber für jede Zeit neu. So darf dann natürlich die Geschichte nicht unbeachtet bleiben, die Auseinandersetzung mit dem Glauben sollte dann aber in seiner heutigen Form stattfinden.

So nimmt Thorsten Dietz dann in den folgenden Kapitel den Leser mit auf eine geschichtliche Reise der Sündentheorie, um zu beleuchten. Darüber später aber mehr. Ich denke ich werde das Buch jetzt erst mal zu Ende lesen und dann gesammelt nochmal was dazu schreiben.
Hier war mir die Auseinandersetzung mit dem vertrauten Fremden jetzt mal wichtig.

Sünde als Grundlage des Glaubens?

Gestern konnte ich anfangen das Buch „Sünde“, von Thorsten Dietz zu lesen.

Das erste mal konnte ich vor ein paar Wochen, bei einem Seminar, einen Blick hineinwerfen.

Das reichte, um es auf meine Liste zu setzen.

Wie Thorsten Dietz ausführt, gibt es anscheinend die Haltung, das Christentum habe die Sünde als Grundlage. Die Idee dahinter ist, nur der sündhafte Mensch bedarf der Erlösung. Dadurch wäre es auch zu erklären, das durch den Wegfall der Akzeptanz des Konzepts der Sünde, die Menschen vom Glauben, zumindest dem christlichen, abfallen.

Hmm, ich habe ja erst angefangen zu lesen, in mir regt sich da aber doch erheblicher Zweifel, was diese These angeht.

Natürlich spielt die Sünde eine große Rolle, sonst kann der Erlösungsgedanke nicht Fuß fassen . Soweit mag die These also stimmen.

Aber sollte dieser Gedanke wirklich so fest verwurzelt sein, das er das wichtigste überdeckt?

Es ist zumindest einen Gedanken wert.

Ich sehe den Anfang des Glaubens als die Erkenntnis, das es Gott gibt. Unsere Welt, wie wir sie sehen, gehorcht festen Regeln. In den Naturwissenschaften lassen sich diese Regeln gut beschreiben. Nicht nur in früheren Zeiten wurden die Kräfte, die durch diese Regeln beschrieben werden, quasi übernatürlichen Wesen zugeschrieben. Früher sagten die Menschen schlicht Götter, und gaben ihnen Namen. Heute machen viele Menschen es sich einfach, sie fassen zusammen und nennen ihren neuen Gott: „Die Evolution“ oder „die Natur“.

Der Drang zu Religiösen scheint im Menschen verankert zu sein, so das auch selbsterklärte Atheisten kein Problem mit dieser Abstrahierung haben, auch wenn die Einsicht kaum da ist, das sie sich einen Götzen geschaffen haben.

Der Gedanke, das etwas das gesetzmäßig abläuft, kaum göttlich sein kann, wird Abram zugeschrieben. Nun vielleicht war er nicht der erste, aber doch der nachhaltigste. Sind es doch mindestens drei große religiöse Traditionen, die sich auf ihn berufen. Abraham wurde er von Gott benannt, als dieser ihm versprach, ihn zu einem großen Volk zu machen.

Die Frage was hinter den Gesetzen steht, die ließ Abram Gott suchen. Und die Frage warum Gott uns fern erscheint ließ nur eine Antwort zu: weil wir Menschen uns von Gott entfernt haben. Und das ist es was wir als Sünde bezeichnen.

Wenn nun Menschen dieses Konzept als Grundlage des Christentums sehen, dann ist in der Verbreitung des Glaubens doch mehr schief gegangen, als ich bisher geglaubt habe.

Die Grundlage des Glaubens sollte Gott alleine sein.

Das Problem das sich der Mensch mehr um äußere Rituale kümmert, als den Sinn dahinter verstehen zu wollen, hatte schon Jesus. Er schmiss die Händler aus dem Tempel, weil sie nicht mehr wussten wozu das alles da war. Und wenn man den Berichten der Bibel glaubt, war er auch nicht der Erste. Von Amos bis Zefania, von der Genesis bis heute, es scheint immer gleich abzulaufen. Gottlos sind die Menschen schon immer geworden. Götzen haben die dich auch immer zugewandt. Das die Menschen Schwierigkeiten hatten zu erkennen, das sie sich Götzen geschaffen haben, ist auch nichts Neues. Ein großer Teil des alten Testaments beschäftigt sich damit.

Es stellt sich mir also die Frage, ob nicht andere Kräfte den mangelnden Glauben begründen, als die Tatsache, das viele Menschen mit dem Begriff Sünde nichts anfangen können.

Ich persönlich denke das hier Ursache und Wirkung vertauscht wurden. Viele Menschen können mit dem Begriff Sünde nichts mehr anfangen, weil sie ihren Glauben verloren haben.

Der Hochmut zu glauben man könne die Kräfte dieser Welt kontrollieren, führt zur Annahme man brauche Gott nicht (mehr).

Das ist also nichts Neues.

Das und die Tatsache das Generationen von Menschen mit sinnentleerten Worthülsen ein schlechtes Gewissen eingeredet wurde, haben die Menschen von Gott fortgetrieben. Viele haben sich aber auch gerne forttreiben lassen, das darf man dazu auch mal sagen.

Von daher ist es schon wichtig für unsere Zeit zu schauen, was bedeutet Sünde eigentlich. Aber ob das die Lösung der Glaubenskrise ist?